This is the BBC … über Deutschland

Mein derzeitiger Lieblingspodcast: Germany – Memories of a Nation. Die BBC erklärt in 15-minütigen Sendungen deutsche Geschichte und Kultur. Mit Nazis, klar, Mittelalter und der Zeit dazwischen.

Ein Aspekt, der immer wieder wiederkehrt und Deutschland von anderen Ländern unterscheidet: Viele für die deutsche Kultur wichtige Orte gehören heute nicht mehr zu Deutschland. Prag, Königsberg, Straßburg, you name it. Offenbar ist das für die Insel hinter dem Ärmelkanal besonders faszinierend. Und für mich der Blick von außen.

Eine kleine Leseliste zur Kulturrevolution in China



Die Kulturrevolution in China wird 50: 1966 ging es los mit Chao und Gewalt. 1981 bezeichnete die chinesische Regierung die zehn Jahre als Disaster. Inzwischen folgte Maos Herrschaft offiziellen Verlautbarungen zufolge fast dem Pareto-Prinzip: 70 Prozent waren gut, 30 Prozent nicht ganz so sehr.

Ein paar Links:

Das Erbe von Maos Kulturrevolution zerfrisst China immer noch – SZ

Kai Strittmatter beschreibt die Gewalt der Kulturrevolution als das zentrale Element, um das heutige China zu verstehen. Denn wie die menschengeschaffene Hungersnot in den 50ern und die Aufstände vom Tian’anmen-Platz Ende der 80er lautet die Vorgabe der KP: Vergessen – und wenn das nicht geht zumindest verschweigen.

„Die Jugend horchte, jubelte, verfiel in Raserei. Die Kulturrevolution wurde auch von den Studenten in Europa bejubelt, auf den Straßen von Paris und Berlin. Keiner wollte sehen, was wirklich geschah: Mao gab China dem Irrsinn preis. Schülerinnen schlugen ihre Direktorinnen tot, Studenten ersäuften ihre Professoren, Ehemänner schickten ihre Frauen ins Arbeitslager und Söhne ihre Mütter aufs Schafott.“

(Um die lange Version des Textes zu lesen, braucht es ein SZ-Abo, zumindest die Probierversion.)

„Attraktive Grausamkeiten“ – Interview mit dem Historiker Gerd Koenen in der Taz

Koenen befasst sich mit der Geschichte des Kommunismus. Er sagt:

„Kulturrevolution wohl das ungewöhnlichste Ereignis in der Geschichte des Kommunismus im 20. Jahrhundert war. Denn es war fast das einzige Mal, dass Kommunisten an der Macht in einer sogar bewusst chaotisierenden Weise von der Spitze her an die Massen appellierten. Und zwar besonders an die Masse der Jugendlichen, gegen die älteren Kader der Partei zu rebellieren. Das hatte es vorher noch nicht gegeben. Ebenso wissen wir heute, dass die Kulturrevolution für Mao einer eigene Ratio der Macht folgte. Das Chaos schien eigene Strukturen zu haben.“

Mao sah sich als „großer Steuermann“, der große Meister hinter dem Chaos, aus dem eine neue Ordnung entstehen sollte.

Maos Werkzeugkasten – Zeit

Ein paar Jahrzehnte nach den anarchischen Zuständen ist langsam genug Wasser den Yangtse hinuntergeflossen, um sich langsam wieder der Methoden der Kulturrevolution zu bedienen: „Führungskult, Repression, Zentralismus: Chinas Parteiführung bedient sich gerade eines Instrumentenkastens aus den sechziger Jahren“, schreibt Steffen Richter in der Zeit.

China’s ‚lost generation‘ recall hardships of Cultural Revolution – CNN

Ein Schicksal von vielen: Hu Rongfen musste aus Shanghai nach Anhui.

„I still can’t bear to recall my youth spent on the farm,“ she says.

“If there had been no Cultural Revolution, then I would not be who I am today. People who haven’t been through it can’t appreciate how easy everything else is. It wasn’t the manual labor. That’s a different kind of hardship. This was the worst kind of bitterness. You are constantly told: ‘You are against the revolution, so therefore you have no right to speak.' … That burden, that burden on your spirit, is very heavy.” 50 years ago this week, when Mao Zedong reasserted his control of the Communist Party, he set in motion a decade of chaos and torment in China. @nytimes asked readers to share stories about how they were affected by the Cultural Revolution. Chen Qigang, a 64-year-old composer in France who @adamjdean photographed in Beijing last month, was in middle school in Beijing when the movement began. Visit the link in our profile to hear more voices from China’s #CulturalRevolution.

Ein von The New York Times (@nytimes) gepostetes Foto am

Wikipedia zur Kulturrevolution

Ob ein Thema relevant ist, machen Journalisten bei Facebook von traditionellen Medien abhängig – noch.

Eine Mischung aus Algorithmen und Menschen bestimmt die Trending Topics bei Facebook. Ob etwas eine große Geschichte ist, bestimmten weiterhin traditionelle Medien. Denn nur wenn ein Thema in fünf der folgenden Quellen aufgegriffen wird, ist es ein US-weit von Bedeutung:

  • BBC News
  • CNN
  • Fox News
  • Guardian
  • NBC News
  • New York Times
  • USA Today
  • The Wall Street Journal
  • Washington Post
  • Yahoo News/Yahoo

Aber könnte Facebook die Rubrik nicht einfach killen? Ärger vermeiden, wenn Facebook im bisherigen Modus vorgeworfen wird, konservative Medien zu benachteiligen?

Für die Trendthemen liegt die Lösung auf der Hand: Facebook kann schlicht auf den menschlichen Faktor – also die Journalisten – verzichten oder die Rubrik einfach abschalten. Das würde zwei Trends entsprechen: der abnehmenden Relevanz journalistischer Urteils- und Arbeitskraft im Zuge der Digitalisierung und dem wachsenden Desinteresse an einem kanonisierten Überblick über das Weltgeschehen (und sei er, wie bei den Facebook-Trends, voller Nachrichten über den Kardashian-Clan)

Keine Struktur ist auch keine Lösung

Gruppen ohne Strukturen gibt es nicht, schreibt Jo Freeman in The Tyranny of Structurelessness

Und macht auch keinen Sinn, meint Freeman Anfang der 70er Jahre als sie die Frauenbewegung beschreibt und alle Gruppen meint. Empfohlen hat den Text Kathrin Passig auf der Republica. Zurück zum Thema:

„(…) to strive for a structureless group is as useful, and as deceptive, as to aim at an „objective“ news story, „value-free“ social science, or a „free“ economy.“

  • Gruppen ohne Strukturen gibt es nicht
  • Zwar geht es ohne formellen Regeln, aber keinesfalls ohne informelle Regeln
  • Doch diese informellen Regeln machen es für Außenstehende oder Neulinge schwierig, Entscheidungen zu verstehen und zu beeinflussen
  • Informelle Regeln befördern Eliten innerhalb von Gruppen, v.a. dann, wenn sie auch Freundschaften begründen: „It is this informal structure, particularly in Unstructured groups, which forms the basis for elites.“

Trump also

America Has Never Been So Ripe for Tyranny

Eine spannende Analyse im New York Magazine, die die Brücke schlägt zwischen Plato und Trump. Denn eine von Platos Thesen lautet: Nach einer funktionierenden Demokratie kann Tyrannei folgen.

Ein paar Quotes:

„For, like all tyrants, he is utterly lacking in self-control. Sleeping a handful of hours a night, impulsively tweeting in the early hours, improvising madly on subjects he knows nothing about, Trump rants and raves as he surfs an entirely reactive media landscape. Once again, Plato had his temperament down: A tyrant is a man “not having control of himself [who] attempts to rule others”; a man flooded with fear and love and passion, while having little or no ability to restrain or moderate them; a “real slave to the greatest fawning,” a man who “throughout his entire life … is full of fear, overflowing with convulsions and pains.” Sound familiar? Trump is as mercurial and as unpredictable and as emotional as the daily Twitter stream. And we are contemplating giving him access to the nuclear codes.“

„In retrospect, it is clear he was training — both himself and his viewers. If you want to understand why a figure so widely disliked nonetheless powers toward the election as if he were approaching a reality-TV-show finale, look no further. His television tactics, as applied to presidential debates, wiped out rivals used to a different game. And all our reality-TV training has conditioned us to hope he’ll win — or at least stay in the game till the final round. In such a shame-free media environment, the assholes often win. In the end, you support them because they’re assholes.“

„To call this fascism doesn’t do justice to fascism. Fascism had, in some measure, an ideology and occasional coherence that Trump utterly lacks. But his movement is clearly fascistic in its demonization of foreigners, its hyping of a threat by a domestic minority (Muslims and Mexicans are the new Jews), its focus on a single supreme leader of what can only be called a cult, and its deep belief in violence and coercion in a democracy that has heretofore relied on debate and persuasion. This is the Weimar aspect of our current moment.“

Wie ungleich hätten Sie’s denn gern?

Makronom über verschiedene Wege Ungleichheit zu messen: Die nächste Stufe der Ungleichheitsmessung

  1. die horizontale Ungleichheit,
  2. die Mittelschicht und die Verteilung von Einkommen mit Ausnahme der Spitzengruppe
  3. und die Spitzengruppe der Einkommensverteilung.

Diese Entwicklung korrespondiert mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Interessen: Von der Frage, wie ein typischer Arbeiter im Vergleich zu einem typischen Bauern abschneidet, über die Frage, wie ungleich eine Gesellschaft und wie groß die Mittelschicht ist, hin zu der Frage, wie reich die obersten 1% sind.

Jetzt, nicht zuletzt durch Piketty:

  • allgemeine Verteilung, die z.B. Gini-Koeffizient zeigt, ist out
  • jetzt im Trend: Anteil der Spitzenverdiener mit Hilfe von Steuerdaten (anstatt Haushaltsbefragungen, die i.d.R. Reiche unterschätzen)

Probleme mit Steuerdaten:

  • jeder hat Anreiz seine Steuerlast zu minimieren
  • gerade sehr reiche Menschen verstecken nicht selten ihr Vermögen

Except not

How to be a publisher
Jeder kann einfach im Internet publizieren und den großen Medien den Rang ablaufen. Except… not. Michael Donohoe von qz.com schreibt auf, was es alles braucht, um eine funktionierende Seite auf die Beine zu stellen:

HTML This is the easy bit. Except it’s never easy. But its the known quantity in that its HTML. And CSS to make it pretty. Typekit or Google Fonts. Or make and host your own web-fonts. It’s just typography. The CSS covers breakpoints if you must be responsive. And that adds HTML for the things that need to be very different on Mobile but not at all on Desktop. Not forgetting Tablet, so let’s just call it Non-Mobile. Not forgetting Javascript, not jQuery, and if you’re good you’ll even test that the basic functionality of your site work with it disabled. Oh, and 3rd party SCRIPT tags. Analytics, which one? Everyone needs wants something different. Google Analytics is free but sampled once you go over a million events. ChartBeat is trendy for the here and now. Parsely is great but some prefer Chartbeat. Some argue for both. And comScore. And Omniture. Optimizely for AB testing, unless you’ve Test & Target via Adobe which integrates with Omniture. Some want need both because it’s the UI wars. And we’re all ready to drop everything below IE11 now. (…)

Und so gehts noch viele Zeilen weiter.

Nutzer, diese komplizierten Wesen
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via endofjournalism.tumblr.com

Snippets aus einem Text zu Social Media

Upload Complete – Platforms and the insourcing of the media, The Awl

Elementarer Unterschied zwischen Instagram und Snapchat auf der einen und Facebook und Twitter auf der anderen Seit: Bei Instagram und Snapchat werden eigene Inhalte geteilt, bei Facebook und Twitter i.d.R. auf fremde Inhalte verlinkt.

Andere Gedanken aus dem Text:

A feed, then, was a mixture of personal posts and pitches to look at other things. It was an endless stream of captions contextualizing a Great Big Outside. But each year the feeds got richer. The captions expanded into previews. The previews expanded into full photos, videos and posts. The remaining links underneath came to resemble vestigial metadata. This was easy to notice from the outside, from the perspective of, say, a publisher, for whom change was reflected in referrals and traffic. For users, the change happened gradually and subtly, over the course of a million consecutive pulls to refresh.

Understood from perspective of the web, the last five years have represented a sort of tragedy of the commons. The platforms grew big and strong. Websites and publishers catered to the needs of those platforms, vague worries about control and identity set aside for the necessary pursuit of audience in an unpredictable environment. Nobody did anything wrong, exactly, and it’s not clear what they should have done differently. Some publications that functioned well under the referral regime will struggle under platforms. Others might succeed, more might materialize out of the Venture Ether. Yet others will chase new things, and many more will just continue to try everything.